Abstract:
Das Wohnen in Kleinstädten ist ein blinder Fleck gesellschaftlicher und politischer Debatten. Bislang konzentriert sich die öffentliche, aber auch die wissenschaftliche Aufmerksamkeit stark auf Großstädte und Ballungsräume, dabei leben rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in Kleinstädten. Sie spielen somit eine Schlüsselrolle für gleichwertige Lebensverhältnisse und eine nachhaltige Raumentwicklung. Gleichwohl bestehen aufgrund begrenzter Datenverfügbarkeit und fehlender empirischer Forschung erhebliche Wissenslücken, was Wohnungsmarktstrukturen und -entwicklungen sowie die Wohnbedürfnisse unterschiedlicher sozialer Gruppen und deren Wohnpraktiken betrifft. Pauschalisierende Vorstellungen, Kleinstädte verfügten über ausreichend bezahlbaren Wohnraum oder könnten als Entlastungsräume für Großstädte dienen, greifen zu kurz. Kleinstädte sind äußerst heterogen: Sie unterscheiden sich stark in Bezug auf Lage, funktionale Einbindung, wirtschaftliche Entwicklung, Wohnungsbestände und soziale Strukturen. Entsprechend vielfältig sind auch ihre wohnungspolitischen Herausforderungen.