Autonom & On-Demand: Potenziale und Herausforderungen für ein neuartiges Mobilitätsangebot zur besseren Stadt-Land-Anbindung mittels Ridepooling - Ergebnisbericht C2CBridge-Stakeholderworkshop
König, Michael 1 1 Institut für Fahrzeugsystemtechnik (FAST), Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Abstract:
Im Rahmen des Forschungsprojekts Country to City Bridge (C2CBridge) wurde ein bundesweiter Stakeholder-Workshop durchgeführt, um Anforderungen, Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren für ein neues autonomes On-Demand-Ridepooling Mobilitätsangebot zu identifizieren. Ziel ist ein skalierbares Angebot, das die Anbindung zwischen städtischen und ländlichen Räumen verbessert und zugleich den bestehenden öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) stärkt. Am Workshop nahmen Expertinnen und Experten von Verkehrsbetrieben, Mobilitätsdienstleistern, der kommunalen Verkehrs- und Stadtplanung sowie von Fahrgastinteressenvertretungen teil.
Bereits heute gibt es in Deutschland zahlreiche On-Demand-Angebote mit nicht-autonomen Fahrzeugen, deren Wirkung jedoch häufig durch begrenzte Betriebsgebiete, kleine Fahrzeugflotten und eingeschränkte Betriebszeiten limitiert ist. Ein zentraler Hebel zur Erschließung ihres vollen Potenzials liegt in der Skalierung dieser Systeme. Autonomes Fahren wird dabei von den teilnehmenden Stakeholder:innen als Enabler gesehen, um einen wirtschaftlichen Betrieb und Effizienz zu ermöglichen.
Ein breiter Konsens besteht darin, dass autonome On-Demand-Angebote als ergänzendes Element zum bestehenden Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu konzipieren sind. ... mehrIhr größter Nutzen liegt in der Überbrückung der ersten bzw. letzten Meile, der Erschließung ländlicher Räume, der Bedienung von Schwachlastzeiten sowie der Anbindung an bestehende ÖPNV-Strukturen durch stadt(kern)nahe Umsteigehubs. Damit können sie bestehende Angebotslücken schließen und die Attraktivität des gesamten Mobilitätssystems erhöhen.
Als kritischer Erfolgsfaktor wurde die tiefe Integration in bestehende ÖPNV-Strukturen identifiziert. Dies umfasst insbesondere die tarifliche Einbindung von Verkehrsbetrieben, integrierte Buchungs- und Informationssysteme für intermodale Reiseketten sowie hybride Haltestellenkonzepte aus physischen und virtuellen Haltepunkten.
Die Wirtschaftlichkeit stellt aktuell eine der größten Herausforderungen dar. Hohe Investitionskosten und teilweise geringe Nachfrage bestehender Angebote erschweren den Betrieb. Langfristig werden jedoch erhebliche Effizienzpotenziale durch den autonomen Betrieb erwartet.
Die Analyse der lokalen Besonderheiten verdeutlicht, dass sich Anforderungen und Einsatzbedingungen regional stark unterscheiden – etwa durch Siedlungsstrukturen, touristische Nachfrage, geografische und klimatische Bedingungen oder institutionelle Rahmenbedingungen. Für eine erfolgreiche Übertragbarkeit auf unterschiedliche Regionen Deutschlands sind daher standardisierte technische und regulatorische Plattformen, interoperable Datenstrukturen sowie flexible Betriebsmodelle erforderlich.
Neben technologischen und wirtschaftlichen Faktoren wurde insbesondere die Verfügbarkeit qualifizierten Personals und institutioneller Treiber als kritischer Erfolgsfaktor hervorgehoben. Die Einführung und Skalierung solcher Systeme erfordert engagierte Akteure in Kommunen und Verkehrsorganisationen sowie unterstützende politische und organisatorische Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse des C2CBridge-Stakeholderworkshops das große Potenzial autonomer On-Demand-Mobilitätsangebote als Baustein eines integrierten, vernetzten und zukunftsfähigen Mobilitätssystems. Gleichzeitig wird deutlich, dass für eine erfolgreiche Umsetzung eine systemische Integration, ausreichende Skalierung sowie eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure notwendig ist.