Abstract:
Im Angesicht des Klimawandels und der Urbanisierung werden städtische Grünflächen (engl. urban green spaces, kurz: UGS) zunehmend als naturbasierte Lösungen (engl. Nature‑Based Solutions, kurz: NBS) betrachtet, die das Wohlbefinden der Menschen fördern und die ökologischen Funktionen urbaner Natur erhalten. Bei der Planung und Verwaltung wird jedoch häufig übersehen, wie Menschen diese Flächen tatsächlich nutzen und wie institutionelle Strukturen Managemententscheidungen prägen. Dabei bleiben auch die vielfältigen Wertorientierungen gegenüber urbaner Natur und ihr Einfluss auf Abwägungen zwischen ökologischen, sozialen und kulturellen Zielen oft unberücksichtigt. ... mehrVergleichende und integrative Erkenntnisse zu diesen Wechselwirkungen sind nach wie vor lückenhaft, insbesondere über unterschiedliche kulturelle und Governance-Kontexte hinweg, sodass unklar bleibt, welche Erkenntnisse kontextspezifisch sind und welche auf andere Städte übertragbar sein könnten.
Diese Dissertation adressiert diese Forschungslücke in einer Vergleichsstudie zwischen Korea und Deutschland. Es wird untersucht, wie öffentliche Wahrnehmungen, Governance‑Arrangements und vielfältige Wertorientierungen zusammenwirken und die Planung sowie das Management von UGS beeinflussen. Das Forschungsdesign kombiniert eine kartenbasierte Umfrage, Experteninterviews und einen wertbasierten, analytischen Rahmen, um Nutzungsmuster und Präferenzen, institutionelle Bedingungen und Wertorientierungen miteinander zu verknüpfen.
Die erste Studie untersucht, wie Einwohnerinnen und Einwohner von Suwon in Korea und Karlsruhe in Deutschland kulturelle Ökosystemleistungen (engl. cultural ecosystem services, kurz: CES) von UGS nutzen und bewerten. Mithilfe einer kartenbasierten Umfrage wird die räumliche Verteilung bevorzugter Grünflächen analysiert. Zudem wird geprüft, inwiefern soziodemografische Faktoren die Besuchs‑ und Bewertungsmuster beeinflussen. Befragte in Karlsruhe berichten von häufigeren und längeren Besuchen, sowie einer höheren Wertschätzung biologischer Vielfalt. Befragte in Suwon legen hingegen mehr Wert auf Sicherheit, Ausstattung, Sauberkeit, Pflege und geringe Pollenbelastung. Alter, Geschlecht und Einkommen stehen in Zusammenhang mit Unterschieden in der wahrgenommenen Bedeutung von Grünflächeneigenschaften sowie mit den Besuchsmustern. In Karlsruhe liegen die bevorzugten Orte eher zentral, während sie in Suwon stärker über die Stadt verteilt sind.
Die zweite Studie analysiert, wie Governance‑Arrangements und sektoralen Rollen auf die Planung und das Management von UGS in Korea und Deutschland prägen. Dazu werden zentrale politische Instrumente und relevante Akteursgruppen auf verschiedenen Ebenen identifiziert und fördernde sowie hemmende Faktoren analysiert. Die zentralisierte Governance in Korea ermöglicht eine schnelle Umsetzung, schränkt jedoch die Beteiligung sowie das langfristige institutionelle Lernen ein. Die dezentrale Governance in Deutschland betont lokale Autonomie und die Orientierung an europäischen Rahmenbedingungen. Allerdings verlaufen Entscheidungsprozesse langsamer und Zuständigkeiten sind stärker fragmentiert. In beiden Kontexten zeigen sich die Einbindung von Interessengruppen, Ressourcenlücken und die Integration politischer Maßnahmen als gemeinsame Hemmnisse. Unterstützende rechtliche Rahmenbedingungen, effektive Kommunikation und sektorübergreifende Zusammenarbeit sind dagegen zentrale fördernde Faktoren. Die sektoralen Perspektiven unterscheiden sich systematisch zwischen den verschiedenen Governance-Akteuren.
Die dritte Studie beleuchtet, wie Expertinnen und Experten in Korea und Deutschland die vielfältigen Werte der Natur im Kontext der UGS-Governance artikulieren und priorisieren. Mithilfe des Nature Futures Framework werden verschiedene Werteperspektiven auf die Natur analysiert und deren Einfluss auf Governance-Prioritäten, wertebasiertes Denken und die Interpretation konkurrierender Planungsziele untersucht. Koreanische Expertinnen und Experten betonen eher relationale und instrumentelle Werte, während deutsche Expertinnen und Experten stärkeren Wert auf intrinsische ökologische Werte legen. Diese Wertorientierungen prägen die Setzung von Prioritäten, die Formulierung von Zielkonflikten und die Beurteilung akzeptabler Lösungsansätze in der Planung und im Management von UGS.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass städtische Grünraumplanung aus dem Zusammenspiel von Nutzungspräferenzen, Governance-Strukturen und vielfältigen Wertorientierungen gegenüber der Natur hervorgeht. Die Dissertation zeigt Implikationen für partizipative, kulturell sensible und ökologische Planungsansätze, die Standortpräferenzdaten, sektorübergreifende Koordination und wertorientierte Governance integrieren. Die vergleichende Perspektive schafft eine Grundlage für kontextsensibles Planen und länderübergreifendes Lernen.
Abstract (englisch):
With climate change and urbanization, urban green spaces (UGS) are increasingly relied upon as nature‑based solutions that promote human well‑being and support key ecological functions in cities. Yet planning and governance often lack comprehensive insight into how people use these spaces, how institutions shape management decisions, and how diverse values of nature influence governance priorities and interpretations of trade‑offs among ecological, social, and cultural objectives. Comparative and integrative evidence on these interactions remains limited, particularly across differing cultural and governance contexts, leaving unclear which insights are context‑specific and which may be transferable across cities.
... mehr
This dissertation addresses this gap through a comparative study of Korea and Germany, examining how public perceptions, governance arrangements, and plural value orientations interact to shape UGS planning and management. The research design integrates a map‑based survey, expert interviews, and a value‑based analytical framework to link patterns of use and preference, institutional conditions, and value orientations.
The first study investigates how residents in Suwon, Korea, and Karlsruhe, Germany, access, use, and evaluate cultural ecosystem services provided by UGS. Using a map‑based survey, it analyzes the spatial distribution of preferred green spaces and examines how socio‑demographic factors relate to visitation and valuation. Residents of Karlsruhe report more frequent and longer visits and higher valuation of biodiversity, whereas residents of Suwon place greater importance on safety, facilities, cleanliness, maintenance, and low pollen levels. Age, gender, and income are associated with differences in the perceived importance of green space qualities and visitation patterns within each city, and preferred locations cluster centrally in Karlsruhe, while they are more dispersed across Suwon.
The second study examines how governance arrangements and sectoral roles shape the planning and management of UGS in Korea and Germany, identifying key policies and stakeholders across levels, and analyzing enabling and constraining factors. Centralized governance in Korea enables rapid implementation but constrains participation and long‑term institutional learning. Decentralized governance in Germany emphasizes local autonomy and alignment with European frameworks, but decision‑making processes are slower, and responsibilities are more fragmented. Across both contexts, stakeholder engagement, resource gaps, and policy integration emerge as shared barriers, while supportive legal frameworks, effective communication, and cross‑sectoral collaboration act as key enablers. Sectoral perspectives differ systematically across governance actors.
The third study investigates how experts in Korea and Germany articulate and prioritize plural values of nature in UGS governance, applying the Nature Futures Framework to interpret diverse value perspectives on nature and to examine how these shape governance priorities, value-based reasoning, and the ways competing objectives are interpreted in planning. Korean experts tend to emphasize relational and instrumental values, whereas German experts place greater emphasis on intrinsic ecological values. These orientations influence how priorities are set, how tensions are framed, and which solutions are considered acceptable within UGS planning and management.
Taken together, the findings show that UGS outcomes arise from the interplay of residents’ place preferences, governance structures and practices, and diverse values of nature. The dissertation derives implications for planning and policy strategies that are participatory, culturally attuned, and ecologically informed, integrating spatial preference data, cross-sectoral coordination, and value-sensitive governance. These insights support more inclusive and adaptive UGS governance and provide a comparative foundation for context‑specific design and cross‑national learning.