BlendBilanz4Mobility: Aufbau und Inbetriebnahme einer variablen Blendanlage zur Herstellung Bilanzierungs-geeigneter reFuels-Kraftstoffblends zum Erreichen höherer Beimischungsmengen zur steigenden THG-Reduktion in der Mobilität: Abschlussbericht
Toedter, Olaf 1; Heinz, Alexander 1; Schulze, Frank 1 Institut für Kolbenmaschinen (IFKM), Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Abstract:
Mit dem Ziel steigenden THG-Reduktion in der Mobilität im Tanklager von Exolum in Mannheim. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Für den Kraftstoffimport nach Baden-Württemberg ist Mannheim ein entscheidender Standort. Wenn erneuerbare Kraftstoffe und Kraftstoff-Vorprodukte (z.B. Methanol) importiert werden, erfolgt dies für eine Nutzung in Baden-Württemberg meist über den Hafen Rotterdam, ab dem die Kraftstoffe oder Kraftstoffkomponenten in Binnentankschiffen über den Rhein transportiert werden. Die am Rhein in Mannheim angeordneten Tanklager sind somit die erste Importstelle in Deutschland und dienen zur weiteren Distribution per Tankzug an die Empfängerstellen. Die Lagerung der Kraftstoffe wird unter Energiesteueraussetzung in einem Energiesteuerlager durchgeführt. Die Energiesteuererhebung erfolgt
1 reFuels ist die Obermenge der Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen und setzt sich zusammen aus fortschrittlichen Biokraftstoffen, Kraftstoffen aus Rest- und Abfallstoffen und aus auf Elektrolyse-Wasserstoff basierenden E-Fuels
2 Die entsprechenden PtX-Kraftstoffe (Power-to-X) werden in der EU Regulatorik als RFNBO - Renewable Fuels of Non-Biological Origin bezeichnet ... mehr
Seite 6 von 24 erst mit der Verladung der Kraftstoffe über geeichte Zähler in die abholenden Tankzüge oder Tanklastwagen.
reFuels müssen ihren höheren Preis durch gesicherte Nachhaltigkeitskriterien rechtfertigen. Die nachweisbare Nachhaltigkeit bei Nutzung der reFuels ist eine wesentliche Voraussetzung für die Wertschöpfung von reFuels. Damit ist eine geschlossene und bilanzierungsfähige Nachweisfähigkeit notwendig, auch wenn die erneuerbar erzeugten Kraftstoffe fossilen Kraftstoffen beigemischt werden.
Die Abgabe von kleineren, bedarfsgerechten Kraftstoffmengen kann ein Türöffner für den Hochlauf der reFuels sein. Durch Investitionen in Mischanlagen zum Mischen kleiner Mengen können auch einzelne Tankkraftwagen-Lieferungen gezielt abgemischt und eingesetzt werden. Damit können in den Phasen des Hochlaufs und anfangs begrenzter verfügbarer Mengen diese Mengen in Form von Beimischungen in gezielten Anwendungen (z.B. Seetankstellen, Speditionstankstellen oder Hoftankstellen von Feuerwehren) bilanziert und genutzt werden. Die Bilanzierung der Kraftstoffe ist im Zusammenhang mit der zugeordneten Nutzung die Basis einer normgerechten Bilanzierung der Treibhausgasemissionen und ihrer Reduktion bei den Anwendern. Eine Beimischung von tankwagengroßen Mengen ist bislang für Raffinerien nicht finanziell attraktiv. Daher stellt die Anlage keine Konkurrenz beispielsweise für die Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe dar. Gleichzeitig bietet BlendBilanz4Mobility für kleinere Hersteller oder geringere Produktionsmengen von reFuels eine Vermarktungsmöglichkeit und kann damit den Hochlauf der Produktion durch regionale Produzenten ankurbeln.
Mit BlendBilanz4Mobility wurde die Fähigkeit der Kleinmengenabgabe (in Tankkraftwagen) für beliebige reFuel-Kraftstoffmischungen nachgewiesen. Hierzu wurde im Projekt eine mit Sensorik ausgestattete Blendanlage mit Anschluss an drei Tanks aufgebaut. In diesen drei Tanks können biogene, strombasierte und fossile Kraftstoffe gelagert und anschließend in variablen Mengenverhältnissen auf einzelne Transportmittel (z.B. Tankwagen TKW und Kesselwagen KWG) abgefüllt werden. Durch diese Blendanlage wurde erstmalig in Deutschland eine bilanzierte Kleinmengen-Mischfähigkeit erreicht. Auszüge aus Unterlagen zur Umsetzung der Anlage befinden sich im Anhang dieses Dokumentes.
Die digitale Nachweisführung ist entscheidend für das Schaffen von Vertrauen in die Treibhausgasreduktionen durch reFuels. Mit dem erfolgreichen Bau der Mischanlage wurde die in der Verrohrung der drei Krafstocktanks integrierte Sensorik mit digitaler Schnittstelle versehen. Durch die Integration der Mengenmessung in der Tanklagersoftware wird für jeden ausgelieferten Kraftstoff die genaue Treibhausgaseinsparung berechnet. Mittels Bereitstellung der Daten in den Zoll-Meldungen und im Tool „Digital Fuel Twin“ (DFT) der Fa. Bosch wird für jeden ausgelieferten Kraftstoff die genaue nachgewiesene Treibhausgaseinsparung berechnet.
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Das Tanklager Exolum Mannheim nutzt das Softwaresystem OpenTAS der Fa. OpenTAS GmbH als Mengen-Buchhaltungsprogramm. Diese Software wurde um drei Schnittstellen zu den Zählern erweitert, um die validierten digitalen Meldungen an die Zollmeldungen und das Tool „Digital Fuel Twin“ der Fa. Bosch senden zu können.
Nutzer des Kraftstoffes wie Logistikflottenbetreiber können hiermit entsprechend der Corporate Sustainability Reporting Directive der EU (CSRD) eine Reduktion der Transportemissionen nachweisen. Als direkte Emissionen (Scope 1) für den eigenen Betrieb und die eigene Berichtserstellung ermöglicht dies das Erreichen eigener Klimaschutzziele. Als indirekte Emissionen (Scope 3) wird die Weitergabe der THG-Reduktionen an Logistikkunden in Rahmen von THG-reduziertem Logistikverkehr möglich. Durch diese Nachweisbarkeit in einer durchgängig digitalen Nachweiskette wird die Selbstauskunft von Logistik-Unternehmen im Rahmen von Ausschreibungen mit zertifizierten THG-Emissionsdaten untermauert und das Vertrauen in real erreichbare Emissionsreduktionen erhöht.
Unternehmen können sicher nachgewiesene Treibhausgasreduktionen durch den Einsatz von reFuels für die Erreichung ihrer Klimaziele und die Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) nutzen. Die Konformität mit der CSRD-Richtlinie der EU wird erreicht, indem unter Einhaltung der ESRS-Kriterien (European Sustainability Reporting Standards) gemäß dem sogenannten Greenhouse Gas Protokoll die genutzten Mengen und die damit verbundene Nutzung digital und gesichert verknüpft werden. Neben der technischen Realisierung der Pilot-Blendanlage wurde das Ziel erreicht, eine belastbare bilanzielle THG-Reduktion beim Einsatz von reFuels als Beimischung nachzuweisen.